Presse

Jaap verschläft Ehrentag

 Kölner Stadtanzeiger

Erstellt
Foto: Jochen Sprothen
Der Feldhamster schlief tief und fest.
Jede Menge Prominenz war speziell wegen Jaap auf die Landesgartenschau gekommen. Doch der schlief fast den gesamten Pressetermin über und ließ sich kaum Blicken. Aber kann man einem Feldhamster böse sein?  Von Zülpich

Jaap war der Andrang vor seinem Domizil ziemlich wurscht. Am Montag waren zwar zu seinen Ehren leitende Beamte der Kreisverwaltung, Landesgartenschau-Geschäftsführer Christoph Hartmann, Vertreter der Biologischen Stationen in den Kreisen Düren und Euskirchen, der Nordeifelwerkstätten, der Stiftung ProArtenvielfalt und sogar der Justizvollzugsanstalt Euskirchen aufmarschiert, um Jaap der Presse vorzustellen. Aber was machte der Protagonist? Er verpennte fast den kompletten Termin.

Die Laga-Besucher müssen etwas Glück haben, wenn sie den nachtaktiven Nager vor die Kameralinse bekommen wollen. Foto: Sprothen

Jaap tat das, was er und seine Artgenossen tagsüber halt so tun: nichts. Der einjährige männliche Vierbeiner ist nämlich ein „Cricetus cricetus“, ein Feldhamster. Diese Nager, die so groß wie Meerschweinchen werden, sind lichtscheue Gesellen. Sie leben einzelgängerisch, nur während der Paarungszeit von Mai bis August kommt es zu „One-Night-Stands“. Nächtens verlassen sie ihren unterirdischen Bau, der muggelig mit Wohnzimmer, Vorratskammer, und Toilette eingerichtet ist. Wenn die Sonne aufgeht, lässt sich ein Feldhamster durch die Fallröhre wieder in seine Single-Wohnung plumpsen und schläft den Schlaf des Gerechten.

So auch Jaap, der tatsächlich so heißt und nicht etwa Jupp. Denn der Hamster, der am Freitag von den Biologen Ute Köhler aus Alfter und Boris Striffler aus Nemmenich abgeholt wurde und sein neues Quartier in Zülpich bezog, ist ein „Veld Hamster“, der in den Niederlanden geboren wurde. Er ist die Leihgabe einer Zuchtstation in Kerkrade.

Und Jaap ist ein ebenso freundliches wie neugieriges Tier. Am Montag unterbrach er immerhin für ein paar Minuten sein Nickerchen, um den Vertretern der Organisationen, die mit Info-Tafeln, Filmen oder selbst gewerkelten Nistkästen am Beitrag „Natur- und Artenschutz in der Zülpicher Börde“ auf der Landesgartenschau beteiligt sind, hinter der etwas verschmutzten Scheibe seines Baus einen Gruß abzustatten.

Nur ausnahmsweise eine Nuss

Für die Laga-Besucher ist es Glückssache, ob sie den Hamster zu Gesicht bekommen oder nicht. Aber noch schwieriger ist es laut Striffler, der Jaap jeden Morgen mit Getreide, Obst, Gemüse und ausnahmsweise („damit er nicht zu dick wird“) einer Nuss versorgt, den frei lebenden Artgenossen über den Weg zu laufen. Ihnen hat Jaap zu verdanken, dass er bis Ende Juli im Seepark wohnt.

Jaap bekommt nur ab und zu mal eine Nuss, damit der weiterhin durch die engen Gänge passt.
Foto: Jochen Sprothen

In Zülpich gibt es die einzige Feldhamsterpopulation in ganz NRW. Nachdem die vom Aussterben bedrohten Tiere, deren Baue für jeden Bagger tabu sind, vom heutigen Neubaugebiet „Zülpicher Seegärten“ mit ihrer Leibspeise Luzerne weggelockt wurden, haben sie sich in der Nähe von Nemmenich eingebuddelt. 100 Baue wurden schon gezählt, aber die Population in der Römerstadt ist noch nicht gesichert, sie ist sogar rückläufig. Ute Köhler und Kirsten Kröger, die Leiterin der Unteren Landschaftsbehörde, nutzten daher die Gunst der Stunde, um für den Hamster Reklame zu machen. Jeder der einen Bau sichte, möge dies im Kreishaus melden, damit Schutzmaßnahmen eingeleitet werden könnten. Wie man an Zülpich sehe, verhindere Cricetus cricetus keine Baugebiete, und die Landwirte würden für Ernteausfälle entschädigt.

Für die Stadt Zülpich gilt das nicht. Der Feldhamster ist zwar europaweit geschützt, für die Umsiedlung und deren Folgekosten, die für 20 Jahre mit 350 000 Euro zu Buche schlagen, muss die Römerstadt aber alleine aufkommen.

 

Alles rund um´s Borstgras

 

LIFE+ Ausstellung im Kunstforum Gemünd

 

download