Presse

Feuereinsatz für den Naturschutz

Bürgerbrief Mechernich, 10. Januar 2014

feuereinsatz_Schavenerheide

 

Die Biologische Station im Kreis Euskirchen informiert: Gezielter und kontrollierter Einsatz von Feuer auf der Schavener Heide


Mechernich-Schaven - Auf dem Standortübungsplatz Schavener Heide hat sich u.a. durch die langjährige gute Zusammenarbeit zwischen dem Bundeswehrdienstleistungszentrum Aachen, der Bundesforstverwaltung Wahner Heide, dem Schäfer, der Unteren Landschaftsbehörde und der Biologischen Station ein wertvoller Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere entwickelt. Der Übungsbetrieb der Bundeswehr und die Schafbeweidung sind, soweit möglich, auf deren Schutz abgestimmt. Das Offenland der Schavener Heide besteht aus einem landschaftlich reizvollen Mosaik aus offenen Heidebereichen und einzelnen Gehölzgruppen.
In den letzten Jahren war zu beobachten, dass die Heideanteile immer weiter zunehmen. Das, so erklärt Julia Zehlius, Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Biologischen Station für den Kreis Euskirchen, sei aus Naturschutzsicht einerseits positiv zu bewerten. Andererseits führe es aber auch dazu, dass aus artenreichem Grünland beinahe so genannte „Einartbestände" von Besenheide entstehen. Gleichzeitig, so Zehlius, machten die Heidepflanzen einen Alterungsprozess durch, die Pflanzen würden immer höher und nur noch die Spitzen würden von den Schafen und Ziegen verbissen. „Würde man in den Prozess nicht weiter eingreifen, sterben die Pflanzen von der Mitte her und schließlich ganz ab", so die Expertin.

Großflächige Heidelandschaften stellen Kulturbiotope dar, die nur durch menschliche Pflege erhalten werden können. Zehlius: „Bei der historischen Entwicklung von Heidebeständen in der Eifel und auch in anderen Regionen haben sich eine ganze Reihe von Pflegevarianten entwickelt." Traditionell wurden Heidebestände immer in einem kombinierten Verfahren genutzt. Neben der Beweidung, hauptsächlich mit Schafen und Ziegen, aber auch mit Rindern, wurde die Heide auch geplaggt. Das bedeutet, dass die Vegetation samt der obersten Bodenauflage abgestochen wird, die Plaggen werden dann als Streu für den Stall genutzt. Die Stallstreu konnte dann wiederum als Dünger für Ackerflächen dienen. Reichten Beweidung und Plaggenhieb nicht aus, um die Fläche offen zu halten und somit die Beweidung zu ermöglichen, wurden die Flächen auch mechanisch entbuscht, also aufkommende Gehölze entfernt, teilweise wurde auch gemäht. „Erst die Kombination der verschiedenen Maßnahmen verhindert eine Überalterung der Besenheide", erklärt Zehlius. Überalterte Heide wurde auch mitsamt den aufkommenden Gehölzen abgebrannt und es entstand ein Gelände mit hoher struktureller Vielfalt. Zum Teil brennen Teilflächen bis auf den Rohboden ab, hier keimen in der nächsten Vegetationsperiode nicht nur hunderte junge Heidepflanzen, sondern auch viele andere Gräser und Kräuter. Die abgebrannten Flächen sind artenreicher und für die Beweidung sehr viel besser geeignet als die monotonen Einartbestände mit alternder Besenheide.

Viele Jahre wurde das Überaltern der Heidebestände in der Schavener Heide zusätzlich zur Beweidung durch maschinelle Pflege verhindert. Ein Spontanfeuer auf einer kleinen Fläche zeigte aber, dass sich die gebrannte Heidefläche in den ersten Jahren nach dem Brand viel arten- und strukturreicher darstellten, als die gemulchten oder gemähten Flächen. Im Winter 2009/2010 wurden dann erstmalig auch maximal ein Hektar große Teilflächen in der Schavener Heide abgebrannt. Mit Erfolg, wie die Biologische Station berichtet: „Es zeigt sich, dass die Verjüngung der Heide hat gut funktioniert hat und seltene Tierarten wie die Heidelerche auch schon im ersten Jahr nach dem Brand die Flächen als Brutplatz nutzte."
Die Art und der Zeitpunkt des Brennens würden so gewählt, dass sich das Feuer positiv auf die Verjüngung der Heide auswirken könne. „Wirbeltiere sollten durch das Feuer nicht gefährdet und Kleintiere, soweit wie möglich, verschont werden", betont Julia Zehlius. Ein kontrolliertes Feuer wird in den Wintermonaten, nach Möglichkeit bei frostigem aber trockenem Wetter gelegt, wie es bei stabilen Ostwindwetterlagen herrscht. Denn dann sind viele gefährdete Vogelarten auf „Winterurlaub" im Süden Europas, andere Tiere überwintern geschützt im Boden, ganzjährig aktive Tiere verlassen die Gefahrenzone. Die Flächen werden bewusst klein gehalten, um ein Verlassen der Brandfläche für die Tiere zu ermöglichen. Außerdem wird ein schnelles Mitwindfeuer gelegt, man spricht hier auch von kaltem Feuer. Dabei stellt man schon in wenigen Zentimetern Tiefe des Bodens (hier überdauern viele Tiere den Winter) keinerlei Temperaturerhöhung mehr fest und die dort überwinternden Tiere überleben das Feuer. Anders sähe es bei einem Feuer aus, das man gegen den Wind brennen lässt. Hier werden auf der Fläche viel höhere Temperaturen erreicht und das vorhandene brennbare Material wird oft vollständig bis auf den Rohboden verbrannt (sogenanntes heißes Feuer).

In der Schavener Heide sollen diesen Winter zwei bis vier Kleinflächen abgebrannt werden. Hierzu werden gezielt Bestände ausgesucht, die überaltert oder verbuscht sind", kündigt die Biologische Station an. Alle Maßnahmen werden von dem  Bundeswehrdienstleistungszentrum und der Biologischen Station im Kreis Euskirchen in Abstimmung mit der Bundesforstverwaltung Wahner Heide, der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Euskirchen und der betroffenen Stadt Mechernich durchgeführt. Selbstverständlich werden auch Polizei und Feuerwehr informiert.
Weitere Informationen zu der Thematik gibt es im Internet auf der Homepage der feuerökologischen Arbeitsgruppe Freiburg unter www.fire.uni-freiburg.de oder bei der Biologischen Station im Kreis Euskirchen.