Presse

Schön, aber in der Eifel unerwünscht

-  Artikel Kölner Stadtanzeiger, 19. Juli 2013

NATURSCHUTZ Die Herkulesstaude wird bekämpft - Ausrotten kann und will man die Pflanze nicht

VON JOHANNES PUDERBACH

Blankenheim-Wald. "Schon seit 20 Jahren bekämpfen wir im Kreis Euskirchen die Herkulesstaude", berichteten Michael Schulze von der Biologischen Station und Alex Oeliger von der Unteren Landschaftsbehörde bei einem Pressetermin in Blankenheim-Wald. Am Straßenrand ragten dort etliche Prachtexemplare der gefährlichen Pflanze in die Höhe. Bis zu vier Meter hoch kann die Herkulesstaude werden, die deshalb auch den Namen Riesenbärenklau trägt. Bei Berührungen mit der Haut kann der Pflanzensaft zu Hautreizungen führen, die an Verbrennungen erinnern.

Schwimmende Samen

Doch die Herkulesstaude ist auch in anderer Hinsicht gefährlich: Da sie aus dem Kaukasus nach Westeuropa importiert wurde, hat sie hierzulande keine Fressfeinde und kann deshalb ungefährdet gedeihen. Ihr Samen ist schwimmfähig und verbreitet sich gern entlang von Flussläufen. Wachsen am Ufer Herkulesstauden, so verhindern die großen Blätter, dass Sonnenlicht auf den Boden fällt. Kleinere Pflanzen können nicht gedeihen, das Ufer bröckelt ab.

"Bis 1950 stellte die Pflanze kein großes Problem dar", wussten die beiden Fachleute. Doch dann wurde sie zum Beispiel durch Imker gepflegt, weil Bienen sich gerne auf ihnen tummeln. In Osteuropa wurde Riesenbärenklau als Silagepflanze angebaut.

In der Biologischen Station des Kreises Euskirchen mit Sitz in Nettersheim befasst man sich seit 1992 mit der Herkulesstaude. "Besonders verbreitet ist sie im Urfttal und im Genfbachtal, im Ahrtal gibt es wenige Exemplare, und im Kylltal ist der Bestand je nach Bundesland unterschiedlich", berichtete Schulze. In Rheinland-Pfalz habe man die Bekämpfung nahezu eingestellt. Auch in den Niederungen des Kreises Euskirchen gebe es Bestände, zum Beispiel in Kuchenheim am Erftmühlenbach und in Weidesheim in der Nähe des Bahnhofs.

"Wir können die Herkulesstaude nicht ausrotten, haben sie aber im Griff", berichtete Oeliger über die Verhältnisse im Kreis Euskirchen. An manchen Stellen, wie zum Beispiel im Raum Nettersheim habe man schon vor etlichen Jahren sämtliche Exemplare ausgegraben. Doch da im Boden immer noch Samen sei, wüchsen immer wieder einzelne Pflanzen nach.

Aufklärung tut not

Regelmäßige Kontrollen seien deshalb notwendig. Es komme auch vor, dass Grundstücksbesitzer sich gegen eine Bekämpfung wehrten. Denn die Staude sei schön und werde zum Beispiel auch für Blumensträuße benutzt. Deshalb sei Aufklärung wichtig. "Wir in der Eifel haben Glück und wohnen an den Oberläufen der Flüsse und Bäche", erklärten beide Fachleute. Dort gebe es noch eine reichhaltige Fauna und Flora, die man unbedingt erhalten wolle.

Die Bekämpfung des Riesenbärenklaus sei preiswert, weil sie meist von Ehrenamtler übernommen werde. Aus öffentlichen Töpfen gebe es einen Etat von nur 6000 Euro. Die Prachtexemplare in Blankenheim-Wald beseitigte am Donnerstag fachgerecht ein Arbeitstrupp der Wirkstatt, eines gemeinnützigen Vereins. "Wir beschäftigen zum Beispiel Menschen in Wiedereingliederungsmaßnahmen", berichtete die Vorsitzende Veronika Neumann.

Wer Fragen zur Herkulesstaude hat, kann sich unter ? 0 24 86/ 95 07 15 an Michael Schulze wenden. In schwierigen Fällen kann er auch Helfer vermitteln. Informationen gibt es auch im Internet.

http://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/pflanzenschutz/genehmigungen/herkulesstaude.htm

www.ksta.de/eu-bilder

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