Presse

Kölner Stadtanzeiger, 25.02.2013

Engagement für alte Obstsorten soll sich auch weiter auszahlen

VON STEPHAN EVERLING

Mechernich-Kommern.

Abschluss_Strobst

Es war eine bunte Mischung an Menschen, die sich am Freitagnachmittag im Bürgerhaus trafen. Neben zwei Bürgermeistern, verschiedenen Vertretern der Verwaltung und Biologen waren es vor allem Obstbaumwarte, die von nah und fern gekommen waren, um hier die Abschlussveranstaltung des „Kompetenznetzwerkes Streuobstwiesen“ mitzuerleben. Und sie feierten dabei eine Erfolgsgeschichte. Die etwas sperrigen Namen für Projekte im Naturschutz wie etwa „Borstgraswiesen“ oder „Streuobstwiesen“ lassen die Bedeutung, die diese Landschaften für die Umwelt haben, nicht immer recht zur Geltung kommen. Das Verschwinden eines ganzen Stückes Lebenskultur bedauerte in Kommern der Mechernicher Bürgermeister Dr. Hans Peter Schick. Er konnte sich noch gut daran erinnern, wie er in seiner Kindheit bei der Ernte half, wie eingekocht wurde und diese Früchte ein selbstverständlicher Bestandteil der Nahrung im Winter waren.

Schicks Urgroßvater züchtete noch eine eigene Apfelsorte: „Schick Johannes“. Doch dieses Bild gehört schon lange der Vergangenheit an. Bei einer Zählung im Kreis Aachen wurde ermittelt, dass von einst 500 000 Obstbäumen nur noch 14 000 übriggeblieben waren, die überdies zu 80 Prozent überaltert oder ungepflegtwaren. Um den landschaftsbildprägenden Streuobstwiesen eine Überlebenschance zu geben, wurde das Projekt ins Leben gerufen. Gestartet wurde es 2008 in den 15 Kommunen, die der Leader-Region Hocheifel angehören, also einem europäischen Programm zur Entwicklung des ländlichen Raums. Obstbaumwarte ausgebildet. Daran sind auch die Biologischen Stationen aus Düren, Aachener Land und Euskirchen beteiligt. Die Federführung übernahm Ursula Gerke von der Biologischen Station in Nettersheim, die aber selbst am Freitagwegen Krankheit nicht kommen konnte. Für das Überleben der Streuobstwiesen wurden Obstbaumwarte ausgebildet, die in den Dörfern den richtigen Baumschnitt vermitteln und den Besitzern von Streuobstwiesen mit Rat und Tat zur Seite stehen können. Mit unter den ersten Baumwarten waren Eric Guttke und Christian Jülich, die in den Nordeifelwerkstätten Gruppenleiter im Gartenbau sind. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Rainer van Laak betreuen sie seitwenigen Monaten eine Obstbaumwiese in Eicks, die im Besitz des Kreises ist. Hier sollen neben den 27 alten Bäumen 20 neue angepflanzt werden. 218 000 Euro sind für das Projekt in den letzten drei Jahren ausgegeben worden. Die Hälfte steuerte die Europäische Union im Rahmen des Leader-Programms bei. Doch das Geld scheint gut angelegt, denn mit dem Ende des Projektes am 31. März ist die Förderung noch nicht ausgelaufen. Im Zuge des Programms gründete sich die Genossenschaft „Streuobstnetzwerk Nordeifel“, kurz „Sonne“ genannt, die mehrere mobile Saftpressen betreibt und eine Plattform für Obstbaumwarte aus den verschiedenen Regionen bietet. Hier können auch Privatpersonen Rat suchen und sich einen kompetenten Obstbaumwart in ihrer Nähe empfehlen lassen.

www.sonne-streuobstwiesen.de