Presse

Erfolgreiche Zusammenarbeit seit Jahrzehnten

Neuer Geschäftsführer und Vorstand der Biologischen Station
im Kreis Euskirchen stellten sich und ihre Arbeit vor



29.10.2012 LZ: Kirsten Engel

 
Seit 21 Jahren gibt es die Biologische Station im Kreis Euskirchen und es ist eine Erfolgsgeschichte. Eine Erfolgsgeschichte aber auch für die gelungene Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Naturschutz. Dies wurde am Montag vergangener Woche bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des neuen Geschäftsführers und des Vorstandes der Biologischen Station in Nettersheim deutlich. Zur Hauptaufgabe der Station gehört die Abwicklung des Vertragsnaturschutzes im Rahmen des Kulturland-schaftsprogrammes (KULAP). Im Kreis Euskirchen werden derzeit rund 2 000 ha Fläche im Rahmen des Vertragsnaturschutzes bewirtschaftet. Durch eine späte, teils auch gestaffelte Mahd oder den Verzicht auf Dünger und Pflanzenschutzmittel sollen seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten erhalten werden. Bekannte Beispiele sind die Wacholderdriften in Blankenheim oder die Wiesentäler bei Hellenthal.
Derzeit gibt es 565 Verträge mit 347 Landwirten.„Wir bemühen uns auch immer neue Landwirte dazu zu gewinnen, erklärte der neue Geschäftsführer der Biologischen Station im Kreis Euskirchen Stefan Meisberger. „Nicht einfach, denn den Vertragsnaturschutz gibt es hier bereits seit rund 25 Jahren und die Flächen sind verteilt“, sagte Landwirt Stefan Hermeling aus Blankenheim, der dem neuen Vorstand der Biologischen Station als Vertreter der Kreisbauernschaft angehört. Er und sein Vater waren quasi Vertragslandwirte der ersten Stunde. Ein zufälliges Thekengespräch mit dem inzwischen emeritierten Geobotanik-Prof. Wolfgang Schumacher beim Knollenball in Blankenheim-Ripsdorf gab den Anstoß. Sie sahen weniger den Naturschutzaspekt, dafür ein zusätzliches finanzielles Standbein durch das Entbuschen oder die Entfichtungsmaßnahmen. Der Vertragsnaturschutz ist im Kreis Euskirchen erfunden worden, gemeinsam von Prof. Wolfgang Schumacher und dem damaligen Abteilungsleiter im NRW -Umweltministerium Thomas Neiss. „Vielleicht auch ein Grund dafür, warum hier, anders als in anderen Regionen, der Umsetzungsstand der Maßnahmen so hoch ist“, mutmaßt Veronika Neumann, die 1. Vorsitzende der Biologischen Station. Allerdings gibt es auch Probleme, gerade wenn intensiv genutzte Acker- und Naturschutzflächen aneinander grenzen. „Deshalb ist das Konfliktpotenzial in der Zülpicher Börde am größten. Hier ist die Quote des Vertragsnaturschutzes eher gering, eben weil die finanzielle Basis eine ganz andere ist“, so Hermeling.
Die Biologische Station wird zu 80 % vom Land und zu 20 % vom Kreis Euskirchen finanziert. 15 Personen gehören zum Mitarbeiterstab. „Aus Sicht des Kreises ist sie ein wichtiger Dienstleister“, sagt Manfred Poth. Der Allgemeine Vertreter des Landrates ist 2. Vorsitzender im Vorstand. „Der Kreis hätte weder Personal noch Mittel die Aufgaben zu erfüllen, die die Biologische Station übernimmt. Denn sie ist auch für die fachliche Abstimmung zuständig, genauso wie für die Erfassungsarbeiten im Gelände, um festzustellen, was schützenwert ist“.
Der Jahresetat der Biologischen Station beträgt 400 000 €. Dazu kommt die Akquise von sogenannten Drittmittelprojekten.
Seit Bestehen der Station sind so 12 Mio. € durch Projekte in die Regiongeflossen. Geld von dem wiederum auch die Landwirte profitieren – wie auch beim aktuellen EU-Projekt „Allianz für Borstgrasrasen“. Die Naturschützer sprechen lieber von Arnikawiesen. In dem 2,6 Mio. €-Projekt werden die Aufforstungen der 50er und 60er Jahre wieder rückgängig gemacht, also große Fichtengebiete gerodet. Danach sind es die Vertragslandwirte, die die Flächen wieder bewirtschaften. In den vergangenen Monaten gab es Kritik von Seiten der Waldbesitzer. Derzeit, so Meisberger, habe sich, auch durch die gute Kommuni-kation und die angebotenen Begehungen, alles beruhigt.
Es findet zurzeit als Vorbereitung auf die Maßnahme die Umweltverträglichkeitsprüfung statt. Die Biologische Station hofft außerdem Mittel aus dem Bundesprogramm „Biologische Vielfalt“ an Land ziehen zu können. Die Kalkund Vulkaneifel ist als Hotspot-Region für die Artenvielfalt bestimmt worden. Und damit von Bundesseite besonders schützens- und erhaltenswert.
 
Der Saarländer Stefan Meisberger ist seit Januar neuer Geschäftsführer der Biologischen Station im Kreis Euskirchen. Er sieht es als große Stärke, dass in der Mitgliederversammlung der Station neben den Naturschutzverbänden auch der Kreis Euskirchen und die sogenannten Landnutzer, wie Landwirte, Jäger oder der Forst vertreten sind. Landwirtschaft und Forst stellen im Wechsel einen Vorstandsposten. Das Motto der Biologischen Station im Kreis Euskirchen „In der Eifel für Mensch und Natur“ soll auch in Zukunft gelten, daran soll sich auch unter seiner Führung nichts ändern. Auch wenn er befürchtet, dass dem Naturschutzbereich ein Mangel an qualifizierten Fachkräften bevor steht. Bereits jetzt gibt es im ehrenamtlichen und hauptamtlichen Naturschutz Nachwuchssorgen.
Kirsten Engel