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Antwerpes mit Ochsen gekarrt

Von Julia Kolhagen
 
 
Nach 20 Jahren ist Schluss:
Dieter Pasch, Geschäftsführer der Biologischen Station im Kreis Euskirchen, verlässt diese zum Jahresende. „Ich wollte mich einfach noch mal beruflich verändern“,
sagt der 53-jährigeWahl - Münstereifeler.

(Foto: Kolhagen)
 
 
Gibt sein „Reich“ in Nettersheim auf: Neue Aufgaben locken Dieter Pasch.

KREIS EUSKIRCHEN - Nach 20 Jahren ist Schluss: Dieter Pasch, Geschäftsführer der Biologischen Station im Kreis Euskirchen, verlässt diese zum Jahresende. „Ich wollte mich einfach noch mal beruflich verändern“, sagt der 53-jährige Wahl-Münstereifeler. Seit zwei Jahren habe er darüber intensiver nachgedacht.

Zum 1. Januar tritt Pasch seine neue Stelle bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Osnabrück an. Bei der Tochtergesellschaft „DBU Naturerbe“ wird er die fachliche Leitung für den Bereich Naturschutz übernehmen und dann für rund 46 000 Hektar in 33 Schutzgebieten zuständig sein. Die DBU betreut Naturschutzflächen, die dem deutschen Staat gehören, hauptsächlich ehemalige Militärübungsplätze.
 
Aufgabe der „DBU Naturerbe“ ist es, diese Flächen langfristig für den Naturschutz zu sichern. „Ich freue mich auf die neue Herausforderung und darauf, die Erfahrungen, die ich hier gesammelt habe, in einem größeren Rahmen anzuwenden“, sagt Pasch. Besonders reize ihn die Vielfältigkeit der neuen Arbeitsstelle. „Alleine die Schutzgebiete, die ich dann betreue, sind sehr unterschiedlich. Manche liegen an der Küste, andere beispielsweise in Brandenburg, Thüringen oder Bayern.“ Für seine neue Arbeit sei aber auch viel diplomatisches Geschick erforderlich, da es gelte, viele unterschiedliche Interessen unter einen Hut zu bekommen. Verhandlungstalent brauchte Pasch auch in den vergangenen 20 Jahren.
 
Als Geschäftsführer der Biologischen Station war der gebürtige Krefelder für die Betreuung der Landwirte im Kreisgebiet und für Projektakquise zuständig. „Gerade im Bereich der Gewässer-Renaturierung haben wir mehrere Projekte umsetzen können, auf die ich besonders stolz bin“, so Pasch. Bei der Gewässer-Renaturierung wird ein Bachlauf wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzt. „Ich bin stolz, dass durch die Projekte auch ein ökonomischer Nutzen für die Region entstanden ist. Nur so lässt sich Naturschutz auch in der Öffentlichkeit verkaufen.“ Auch mit den belgischen und luxemburgischen Nachbarn konnte Pasch bei einigen Projekte erfolgreich zusammenarbeiten.
 
Noch gut erinnert sich der 53-Jährige, dass er zu Beginn seiner Tätigkeit im Kreis Euskirchen einige Probleme hatte, alle Landwirte zu verstehen. „Ich selbst spreche keinen Dialekt. Dennoch habe ich mich hier die ganze Zeit über sehr wohlgefühlt. . .“ Grundsätzlich sei es auch eine sehr erfolgreiche Zeit gewesen. „Leider wurden in letzter Zeit viele Projekte nicht bewilligt. Das war schon manchmal frustrierend, da es oft an bürokratischen Hürden gescheitert ist“, so Pasch. Doch unter dem Strich zieht der diplomierte Landschaftökologe ein positives Fazit seiner Zeit in Nettersheim, wo die Biologische Station untergebracht ist. Diese hatte er grundlegend mit aufgebaut.„Als ich hier anfing, waren wir eine ganz neue Einrichtung. Da mussten wir uns erst etablieren und ein eigenes Profil erarbeiten.“ Einen Nachfolger für Pasch gibt es allerdings noch nicht. Die weiteren Mitarbeiter der Biologischen Station haben entsprechende Angebote abgelehnt. „Das zeigt, dass es kein ganz einfacher Job ist, der auch mit Stress verbunden ist“, sagt Pasch. Termine am Wochenende oder am Abend seien da keine Seltenheit. Die Stelle soll jetzt neu ausgeschrieben werden.
 
Dass er für seinen neuen Arbeits auch den Wohnsitz wechseln muss, stört Pasch nicht. „Ich bin ein arbeitsmäßiger Vagabund. Ich freue mich jetzt auf die Veränderung. Alleine landschaftlich wird es eine Umstellung sein.“ Doch eins macht dem 53-Jährigen etwas Sorge. „Ich feiere leidenschaftlich gerne Karneval. An Weiberdonnerstag sind wir als Kollegen immer zusammen nach Köln gefahren. Es wäre jetzt ein Alptraum für mich, wenn ich in Osnabrück an dem Tag arbeiten müsste“, scherzt er. Und nicht nur an den närrische Tagen ging es für Dieter Pasch lustig zu. Schmunzelnd erinnert er sich an einige Begegnungen mit der Feuerwehr. „Einmal hat ein Kollege eine frisch gemähte Wiese bei Nettersheim aus Versehen in Brand gesteckt. Da stand dann der ganze Hang in Flammen.“ Auch gut in Erinnerung sind Pasch die diversen Besuche der verschiedenen Umweltminister. Den ehemaligen Kölner Regierungspräsidenten Franz-Josef Antwerpes, der eine Patenschaft für eine alte Rinderrasse übernommen hatte, hatten Pasch und seine Mitarbeiter passenderweise mit einem Ochsenkarren am Nettersheimer Bahnhof abgeholt. Und auch mit einer entlaufenen Kuh hatte es der Diplom-Landschaftsökologe zu tun bekommen. „Wir mussten sie dann im Nebel suchen.“
In seinen letzten Wochen in Nettersheim hat Pasch noch einige Arbeit vor sich. Im aktuellen Projekt befasst er sich mit der Wiederherstellung von jeweils 30 Hektar großen „Arnika-Wiesen“ in Kall, Hellenthal und Dahlem. Bei dem von der EU geförderten Projekt soll ein wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen wiederhergestellt werden. Dazu werden die mit Kiefern bewachsenen Flächen gerodet und mit Arnika-Mähgut bestreut. „Solche Freiflächen sind wichtig. Und das Wild lässt sich hier gut beobachten“, so Pasch. Doch danach ist wirklich Schluss für Pasch. „Das wird ein sauberer Schnitt zum Jahreswechsel.“