Presse

Die Biber sind wieder da

Von Gudrun Klinkhammer
Lutz Dalbeck, Biberfachmann der Biologischen Station Düren,
berichtet, dass nicht nur im Prethbachtal, sondern auch am
Manscheider Bach, im Quellgebiet der Olef, an der Urft und
im Rotbachtal bei Zülpich Biber inzwischen heimisch sind.

„Castor fiber“ lautet der lateinische Begriff für den Biber. Bei ihm handelt es sich um das größte europäische Nagetier. (Bild: Biologische Station Düren)

Arnold Gehlen (l., Kreis Euskirchen), Dieter Pasch (3.v.l., Biologische Station Euskirchen), Conrad Franz (4.v.l., Tiermaler), Paul-Joachim Schmülling und Alexandra Gerhards (r., Gemeinde Hellenthal). (Bild: Klinkhammer)

Das war der Biber, der ein reiner Vegetarier ist. Derart gefällte Bäume säumen unter anderem das Prethbachtal und den Manscheider Bach.

Hellenthal/Oberprether Mühle - Die Spuren sind eindeutig: An einem Baumstamm im Prethbachtal nagte ein Biber. Vom Eisvogelwanderweg aus ist die hell leuchtende Stelle am Stamm auszumachen. Wie eine Eieruhr sieht das aus, was die Tiere aus dem Stamm genagt haben. Da der angeknabberte Baum von anderen Bäumen gestützt wird, fällt er nicht um.
Im vergangenen Herbst entdeckten Anlieger des Prethbachtals, dass sich Biber am Flussufer angesiedelt haben müssen. Immer wieder kippten Bäume um, die nach Biber-Art fachmännisch umgenietet worden waren. In einer Nacht schafft es dieses Tier, einen Baumstamm von 40 Zentimetern Durchmessern durchzubeißen.
„Castor fiber“
„Der Biber knabbert in seitlicher Richtung die Stämme entlang“, sagt Dieter Pasch, der Geschäftsführer der Biologischen Station Euskirchen mit Sitz in Nettersheim. Ein ausgewachsenes Tier wiegt rund 30 Kilogramm und wird bis zu 1,30 Meter lang. Vorwiegend verlässt „Castor fiber“, so der lateinische Name, seinen Bau in der Dämmerung.
Wieso sich das größte aller europäischen Nagetiere ausgerechnet in einem abgelegenen Hellenthaler Bachtal angesiedelt hat, erklärt Lutz Dalbeck, Biberfachmann der Biologischen Station Düren: „In den 1980er Jahren wurden im Hürtgenwald insgesamt zwölf Tiere freigelassen.“ Die Tiere stammten aus Polen. Dabei handelte es sich um Farmbestände und Wildfänge. Im Laufe der Jahre entstanden hauptsächlich an der Rur entlang im Abstand von rund drei Kilometern Biberkolonien. Dalbeck: „Heute gibt es in ganz Nordrhein-Westfalen circa 350 Biber, davon knapp 80 Prozent bei uns im Kreis Düren.“
Aufgrund der hohen Population an der Rur wanderten junge Biber aus und suchten sich anderweitig neue Behausungen. Eine Strecke von bis zu 50 Kilometer können sie dabei zurücklegen. Dalbeck berichtet, dass nicht nur im Prethbachtal, sondern auch am Manscheider Bach, im Quellgebiet der Olef, an der Urft und im Rotbachtal bei Zülpich Biber inzwischen heimisch sind.
Fleißiger Nager
Beim Biber handelt es sich um ein ganz ruhiges, friedliches und auch sehr gemütliches Tier, das sein Umland gestaltet wie kaum ein anderes. Dalbeck: „Der Biber, ein reiner Vegetarier, staut die Bäche, damit er darin schwimmen kann.“ Der Eingang zur Biberburg liegt in der Regel unter dem Wasserspiegel. Der fleißige Nager fällt Bäume, um Licht in seinen Lebensraum zu bringen. Dadurch entstehen die typischen Biberwiesen entlang der Bäche.
„Castor fiber“ nimmt den Befürwortern der Renaturierungsmaßnahmen an Bachläufen nahezu alle Arbeit ab. Dalbeck: „Das Gute ist: Er arbeitet nicht nur kostenlos, sondern er braucht für seine Arbeit auch keine Genehmigung einzuholen. Zudem hält er sein Revier vorbildlich in Schuss.“ Bei den vom Biber gestalteten Wasserlandschaften handele es sich um besonders artenreiche und saubere Lebensräume.

Zukunft für die Eifeler Streuobstwiesen

Nideggen und Nettersheim/Eifel, 12. Mai 2010

Große Resonanz bei landesweit einmaliger Tagung auf Burg Nideggen Über 80 Interessierte aus der Region sowie Fachleute aus ganz NRW und darüber hinaus folgten der Einladung des Zentrums für Ländliche Entwicklung (ZeLE) und der Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW (NUA) in Nideggen, über Nutzung und Erhalt der Eifeler Streuobstwiesen zu diskutieren. Zu Fördermöglichkeiten, Vermarktung und Naturschutz berichteten die von der ZeLE eingeladenen Fachleute. Aktive aus der Region stellten ihre Arbeit dar. Anschließend gab es einen bislang einzigartigen Austausch zwischen Obstwiesenbesitzern und Interessierten über die Zukunft der Streuobstwiesen der Nordeifel. Die Diskussion wurde während einer Obstwiesen-Exkursion in Kreuzau-Boich lebhaft fortgeführt. Streuobstwiesen gehören zu den prägenden Elementen der Kulturlandschaft in der Eifel und sind ein wichtiger Beitrag zum Artenschutz. „Der Erhalt der Streuobstwiesen als landschaftstypisches Element der Eifel liegt mir sehr am Herzen“, begrüßte Margit Göckemeyer, Bürgermeisterin der Stadt Nideggen, die Teilnehmer. „Die Eifeltypischen Streuobstwiesengürtel dienen selten gewordenen Tierarten wie dem Steinkauz oder Grünspecht als Lebensraum“, so Adalbert Niemeyer-Lüllwitz,

Leiter der NUA.

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Streuobstwiesen sind prägend für die Eifel, aber in ihrem Bestand stark gefährdet.

Früher stellte die Nutzung der Streuobstwiesen einen Teil der bäuerlichen Versorgung im ländlichen Raum sicher, was heute selten geworden ist. Pflege und Ernte sind für viele Besitzer unwirtschaftlich. Eigens entwickelte Förderprogramme sollen Obstwiesenbesitzer unterstützen, alte Bestände durch Pflege und Nachpflanzung zu erhalten. Die Biostationen der Kreise Aachen, Düren und Euskirchen helfen bei der Antragstellung. Die Regionalmarke Eifel stellte sich als Markenlabel mit hohem Anspruch an Qualitäts- und Markensicherung vor. Saft und Obstbrand von Streuobstwiesenfrüchten werden bereits von Renette Eifeler Obstwiesen e.V. und Föno GbR unter der Regionalmarke Eifel vermarktet.
Das Wissen um regionale Obstsorten und die Pflege der Hochstammobstbäume ist
nahezu verloren gegangen. Die Tradition der Obstbaumwarte in der Eifel, die dieses
Wissen weitergeben können, soll fortgesetzt werden. „50 Obstbaumwarte sind frisch
ausgebildet als Ansprechpartner vor Ort in den 15 LEADER-Kommunen der Städteregion Aachen und der Kreise Düren und Euskirchen. Man kennt sich untereinander, der kurze Weg zählt“, so Ursula Gerke, Projektleiterin des EULEADER- Projekts Kompetenznetzwerk Streuobstwiesen. „Die Wiederbelebung des Obstbaumwartes ist ein Meilenstein für die Nordeifel.“ Egbert Wilhelm, Leiter Amt für Landschaftspflege und Naturschutz im Kreis Düren:
„Das Kompetenznetzwerk ist ein Aktionsbündnis. Wir unterstützen eine endogene
Entwicklung aus der Region für die Region“. Herbert Theissen, Biologische Station
im Kreis Aachen e.V., erwartet, „dass wir einen Schritt weiterkommen mit der Einführung der Obstbaumwarte und der Initialisierung landesweiter Projekte“.

Udo Zerfowski, Renette Eifler Obstwiesen e.V., schließt: „hier sind jung und alt
zusammengekommen, lasst uns den Boskoop beim Schopf packen und beginnen!“.

Pressekontakt:
Ursula Gerke
Projektkoordinatorin EU-LEADER-Projekt Kompetenznetzwerk Streuobstwiesen
Biologische Station im Kreis Euskirchen e.V.
Steinfelder Str. 10
52397 Nettersheim
Tel. 02486 950715
Fax 02486 950730
Mobil 0173 5169439
u.gerke@biostationeuskirchen.de
www.streuobstwiesen.net
www.leader-eifel.de