Presse

Schwarzbrache hilft der Feldlerche

Von Michael Greuel
Landwirte in den Kommunen Euskirchen, Mechernich, Weilerswist und Zülpich nehmen Ackerflächen aus der Bearbeitung, damit seltene Vögel überleben können. Besonders Feldlerche und Grauammer sind gefährdet.

Die Biologin Julia Zehlius und Landwirt Freiherr Georg von Loe auf einer „Schwarzbrache“ in der Nähe von Flamersheim. (Bild: Greuel)

Die Feldlerche steht auf der „Roten Liste“. (Bild: dpa)
Kreis Euskirchen - Ein unverkennbares Zeichen für den Beginn des Frühlings ist die Wiederkehr des morgendlichen Vogelgezwitschers. Um einige Arten unserer kleinen gefiederten Freunde ist es allerdings äußerst schlecht bestellt, wie die jüngst von der nordrhein-westfälischen Ornithologengesellschaft veröffentlichte „Rote Liste“ verdeutlicht.
Enorm gefährdet sind demnach Feldlerche und Grauammer, also Vögel der Feldflur, die im Gegensatz zu früheren Jahren auch in unserer Region immer seltener anzutreffen sind. Als möglichen Grund nennt das Landesamt für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz in Nordrhein-Westfalen (LANUV) unter anderem die Aufhebung der verpflichtenden Flächenstilllegung. Diese Bereiche dienten bisher als Rückzugsräume für Vögel.
Im Rahmen des Kulturlandschaftsprogramms des Kreises Euskirchen werden daher seit einigen Jahren verschiedene Fördermaßnahmen für Landwirte angeboten, um mit ihnen zusammen die Artenvielfalt zu schützen und zu erhalten. Finanziert wird das Programm, zu dem auch der Vertragsnaturschutz zählt, vom Land Nordrhein-Westfalen, der Europäischen Union und dem Kreis selbst. Die Betreuung der Maßnahmen obliegt zu großen Teilen bei der Biologischen Station des Kreises.
Da sich die Förderungen auf spezielle Tierarten beziehen, werden sie nicht landesweit, sondern in so genannten Förderkulissen angeboten, wo die Schwerpunkte des Vorkommens liegen. Im Kreis Euskirchen sind das bisher die Kommunen Euskirchen, Mechernich, Weilerswist und Zülpich.
Hohe Motivation
„Allein im Jahr 2009 haben wir mit Landwirten zwölf Verträge über insgesamt 31 Hektar Acker abgeschlossen, wo fortan Maßnahmen zum Feldvogelschutz durchgeführt werden“, zeigte sich Julia Zehlius von der Biologischen Station in Nettersheim recht zufrieden mit der Bilanz des vergangenen Jahres. Bemerkenswert sei dabei die Motivation gewesen, die sie bei vielen Landwirten beobachtet habe.
Diese Einschätzung wird durch den Einsatz des landwirtschaftlichen Betriebs ARIWA GbR aus Wachtberg-Adendorf gestützt. Allein auf deren Flächen in der Nähe von Flamersheim / Burg Ringsheim werden auf engem Raum mehrere Schutzmaßnahmen für Feldtiere durchgeführt. „Natürlich sind die Fördergelder für uns wichtig, schließlich müssen wir wirtschaftlich arbeiten. Aber wir sehen auch die Verantwortung, in der wir stehen“, erklärte Georg Freiherr von Loe, Gesellschafter von ARIWA, bei einer gemeinsamen Begehung der Flächen mit dem „Kölner-Stadt-Anzeiger“.
Konkret werden auf verschiedenen Äckern der ARIWA bereits seit einigen Jahren so genannte Schwarzbrachen angelegt. Diese sechs Meter breiten und über die gesamte Länge des Ackers reichenden Flecken werden beim Säen ausgelassen, so dass dort bis auf ein paar Kräuter und Gräser nichts wächst. Insbesondere die Feldlerche und das Rebhuhn profitieren von solchen Ackerstreifen, da sie ihr Futter - unter anderem Wildkräuter - vor allem an Stellen mit geringer Pflanzendeckung suchen.
Sich sonnende Feldhasen
Zudem können diese Vögel ihre Nester im angrenzenden Getreide errichten und die Brache als Anflugschneise benutzen. „Vor kurzem habe ich da außerdem einige Feldhasen beobachtet, die sich die Sonne auf den Pelz scheinen ließen“, berichtete der Freiherr von einer weiteren Feldtierart, die die Schwarzbrache gerne nutzt.
Ähnliche Wirkung haben die so genannten „Lerchenfenster“, die mit dem Projekt „1000 Fenster für die Lerche“ von den Stiftungen Rheinische und Westfälische Kulturlandschaft gefördert werden. Im Falle dieser Fenster werden auf den Äckern Rechtecke mit einer Mindestgröße von 25 Quadratmetern bei der Saat ausgelassen.
Die ARIWA hat bisher insgesamt 50 dieser „Lerchenfenster“ eingerichtet. Auf den Äckern der Gesellschaft wurde außerdem teilweise ein doppelter Saatreihenabstand eingehalten und auf den Einsatz von Insektiziden verzichtet. Der größere Platz zwischen den einzelnen Pflanzen bedeutet für die Feldtiere ebenfalls eine enorme Verbesserung des Lebensraumes. "Natürlich macht eine solche Maßnahme auch ein paar Umstände. Aber das ist es uns wert", stellte der Landwirt klar.

Mit dem Eisvogel auf Gewässer-Tour

Von Vera Junker
Das „Infonetzwerk natürliche und naturnahe
Gewässerlebensräume“ präsentiert ab jetzt Informationen
über die natürlichen Gewässerlebensräume und die
Renaturierungsmaßnahmen an zahlreichen Fließgewässern
der Region. Die Info-Tafeln helfen nicht nur bei der
Orientierung, sondern informieren auch.

Dieter Pasch (v.li.) von der Biologischen Station sowie die Bürgermeister Rudolf Westerburg und Reinhold Müller vor einer der neuen Infotafeln, die Wissenswertes über Fließgewässer vermitteln. (Bild: Vera Junker)

HELLENTHAL - Soziale Netzwerke erfreuen sich vor allen Dingen dank des Internets großer Beliebtheit. Die Arbeit eines neuen Netzwerks, losgelöst von der virtuellen Welt hinter dem Bildschirm, wurde nun in Hellenthal und Dahlem vorgestellt. Das „Infonetzwerk natürliche und naturnahe Gewässerlebensräume“ präsentiert ab jetzt Informationen über die natürlichen Gewässerlebensräume und die Renaturierungsmaßnahmen an zahlreichen Fließgewässern der Region.
„Dank der hervorragenden Zusammenarbeit der Biologischen Station und des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) sowie der finanziellen Unterstützung durch den LVR in Höhe von etwa 15 000 Euro haben wir eine neue Austauschmöglichkeit für Wissen geschaffen“, freute sich Hellenthals Bürgermeister Rudolf Westerburg. Ohne die Unterstützung des Landschaftsverbands Rheinland hätten die Gemeinden Dahlem und Hellenthal nicht „der Natur ihre Aufgaben zurückgeben“ können, so Westerburg. Auch der Geschäftsführer der Biologischen Station Euskirchen, Dieter Pasch, zeigte sich begeistert von den bereits installierten vier Infotafeln: „Wir verfolgen damit nicht nur den Naturschutzgedanken, sondern verbinden auch das Ökologische mit dem Ökonomischen.“
Startpunkt für Wanderungen
Die aufgestellten Tafeln im Prether Bachtal, im Wilsamtal, im Lewether Bachtal und im Manscheider Bachtal sind zum einen ein neuer Schritt in der Öffentlichkeitsarbeit, zum anderen bieten sie noch einen weiteren Anreiz: „Jede Infotafel bildet zugleich auch den Startpunkt für eine Wanderung, bei der sich jeder von den Renaturierungsmaßnahmen und der Schönheit der Gewässer überzeugen kann“, erklärte Pasch. Um die Informationen und Wanderangebote möglichst attraktiv zu gestallten, dienen bekannte Vogelarten der Region als Namensspender. Eisvogel, Gebirgsstelze, Schwarzstorch und Wasseramsel begleiten von nun an die Wanderer auf ihren Wegen entlang der Bachtäler. „Ich bin mir sicher, dass nicht nur Einheimische Interesse an diesem Angebot zeigen werden, sondern auch die Gäste in der Region. Dieses erste Projekt, das die Biologische Station Euskirchen erstmals ohne andere Stationen des Rheinlands durchführt, ist erfolgsversprechend“, ist auch Julia König vom LVR überzeugt von der geleisteten Arbeit.
Auch für die Zukunft hat Pasch Ideen: „Wir werden an den Infotafeln noch Kästen anbringen, damit jeder sich auch anhand von Flyern über die Gewässersysteme und Wanderungen informieren kann. Außerdem haben wir bereits einen zweiten Antrag beim LVR gestellt, um noch weitere Tafeln aufstellen zu können.“